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Frauen in der Stahlbranche: wie steht es um weibliche Führungskräfte und equal pay bei ArcelorMittal?

(05.5.2015) Mit der Hauptversammlung von ArcelorMittal geht heute die vom Deutschen Juristinnenbund e.V. (djb) initiierte Aktion „European Women Shareholders Demand Gender Equality“ auch in Luxemburg an den Start. Im Rahmen des von der EU-Kommission geförderten Projektes besuchen Juristinnen und andere Fachfrauen in elf EU-Mitgliedstaaten mehr als 100 Hauptversammlungen großer börsennotierter Aktiengesellschaften. Virginie Issumo, eine Vertreterin der Partnerorganisation Europäische Juristinnenvereinigung (EWLA) stellt nun kritische Fragen zum Anteil der Frauen in Führungspositionen bei ArcelorMittal.
ArcelorMittal ist ein multinationaler Stahlkonzern – der größte in Europa – mit Sitz in Luxemburg und mit mehr als 220.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 60 Staaten. Auf den vorab versandten Fragenkatalog zu Frauen in Führungspositionen hat der Sekretär des Verwaltungsrates reagiert: Der Verwaltungsrat von ArcelorMittal hat zwei weibliche Mitglieder. Das entspricht bei insgesamt elf Mitgliedern einem Anteil von 18,18 Prozent. Das Unternehmen verfügt über ein internes Netzwerk „Women at ArcelorMittal“, das sich um die Weiterbildung und Förderung von weiblichen Mitarbeiterinnen in der Stahlindustrie einsetzen soll. Dazu Virginie Issumo: „In Luxemburg werden Fortschritte bei der Gleichstellung der Geschlechter mehr und mehr von Behörden und Zivilgesellschaft hinterfragt. Dies steht im Einklang mit der heutigen Nominierung von Frau Karyn Ovelmen als Vorstandsmitglied von ArcelorMittal.“ Auch um den Nachwuchs kümmert sich ArcelorMittal nach eigenen Angaben und bietet demnach spezielle Kurse für Schülerinnen in den MINT-Fächern an. In einigen Ländern wie den USA wird bei Vertragsabschluss mit Subunternehmen u.a. auf die Einhaltung von gleichstellungspolitischen Grundsätzen geachtet – weil es diese Vertragspartner verlangen? Wäre es nicht klüger, sich mit einem entsprechenden aktiven Angebot im Wettbewerb von der Konkurrenz abzusetzen?
Die Juristinnen wollen es wieder ganz genau wissen, weshalb heute eine der Fragen an die Unternehmensleitung lauten wird, ob im Unternehmen eine interne Politik zur Entgelttranspa-renz und Entgeltgleichheit existiert. Mit Spannung erwarten die Juristinnen die Antwort.

Hintergrund

Das am 6. März 2015 im Bundestag verabschiedete „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst“ legt u.a. eine feste Quote von 30 Prozent Frauen für die Aufsichtsräte der circa 100 größten deutschen Unternehmen fest. Der djb begrüßt die Frauenquote grundsätzlich als einen wichtigen ersten Schritt zur Verwirklichung der im Grundgesetz und auf europäischer Ebene garantierten Gleichstellung der Frauen. Die Größenordnung ist aber wenig ambitioniert. Gefordert wird daher weiterhin eine Frauenquote von mindestens 40 Prozent für Aufsichtsräte, Vorstände und alle Führungspositionen.

Dies wird auf europäischer Ebene ähnlich gesehen. Der derzeit verhandelte Entwurf der EU-Richtlinie zur „Gewährleistung einer ausgewogeneren Vertretung von Frauen und Männern unter den Mitgliedern der Unternehmensleitung börsennotierter Gesellschaften und über damit zusammenhängende Maßnahmen“ sieht die vom djb geforderte Zielquote von 40 Prozent vor. Allerdings wurde mit Art. 4b) dort kürzlich eine „Flexibilitätsklausel“ eingefügt, die es den Mitgliedstaaten erlaubt, diese Zielquote unter bestimmten Bedingungen auszusetzen. Darauf könnte Deutschland sich jetzt berufen, denn dafür soll eine verbindliche Quote von 30 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten ausreichen.

Das vom djb initiierte Projekt “European Women Shareholders Demand Gender Equality” erhielt 2014 von der Europäischen Kommission neben 16 weiteren europäischen Projekten den Zuschlag für eine Förderung nach dem PROGRESS-Programm. Es wird kofinanziert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), dem Ministerium für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt und der Finnischen Handelskammer. Zu den Projektpartnern gehören neben dem djb: die vier Juristinnenorganisationen European Women Lawyers Association (EWLA), EWLA Bulgarien, Association française des femmes juristes (AFFJ), der Ungarische Anwältinnenverband sowie die Finnische Handelskammer und die Universität von Westengland. Die Hochschule Magdeburg Stendal ist für die Medienarbeit zuständig.

Juristinnen und andere Fachfrauen besuchen seit Beginn des Jahres in elf EU-Mitgliedstaaten circa 100 Hauptversammlungen großer börsennotierter Aktiengesellschaften. In den Beneluxstaaten, Deutschland, Frankreich, Irland, Italien und Spanien müssen sich die im EURO STOXX 50 notierten Unternehmen den kritischen Fragen der Juristinnen stellen, in Bulgarien, Ungarn und dem Vereinigten Königreich sind es die im BUX-, SOFIX- und FTSE-notierten Unternehmen.

Das Projekt schließt an das vom BMFSFJ geförderte deutsche Projekt „Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung“ an und setzt es europaweit fort. Mitglieder des djb und andere Aktionärinnen haben von 2009 bis 2013 insgesamt 300 Hauptversammlungen börsennotierter Aktiengesellschaften in Deutschland besucht und von ihrem Auskunftsrecht Gebrauch gemacht. Die Antworten der Aufsichtsräte und Vorstände auf die Fragen nach den Frauen in Führungspositionen des Unternehmens sind ausgewertet und in vier Studien veröffentlicht worden.

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