Gleichstellung der Geschlechter im Erwerbsleben


Gleichstellung der Geschlechter im Erwerbsleben

Der Deutsche Juristinnenbund e.V. (djb) greift mit dem Fokus auf die Gleichstellung von Frauen im Erwerbsleben einen wesentlichen Aspekt fehlender Gleichstellung auf. Dass dringender Handlungsbedarf besteht, zeigen zahlreiche Indikatoren wie der Gender Pay Gap und der Gender Care Gap, der den unterschiedlichen Zeitaufwand, den Frauen und Männer für unbezahlte Sorgearbeit aufwenden, aufzeigt. Dazu zählen die geringere Erwerbsbeteiligung von Frauen gegenüber der von Männern, insbesondere ihre hohe Teilzeitquote sowie ihre Überrepräsentanz in vielen Formen prekärer und atypischer Beschäftigung. Hinzu treten häufigere und längere Erwerbsunterbrechungen. Weiter sind Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert; trotz besserer Bildungsabschlüsse von Mädchen und Frauen ist die geschlechtshierarchische Segregation des Arbeitsmarktes stark ausgeprägt. Deutliche Rückschlüsse auf den Stand der Gleichstellung lassen auch der Gender Pension Gap und der Gender Overall Earnings Gap sowie der Digital Gender Gap zu. Im europäischen Ländervergleich schneidet Deutschland bei diesen Indikatoren besonders schlecht ab.

All diese Gaps belegen empirisch, dass die Verwirklichungschancen für Frauen und nichtbinäre Personen noch nicht gleich frei sind, da Rahmenbedingungen – auf individueller, betrieblicher und gesamtgesellschaftlicher Ebene – die individuellen Entscheidungen begründen, verstärken und perpetuieren, die sodann auf die Rahmenbedingungen verstärkend zurückwirken. Die Gaps werden gespeist aus diesem Wechselspiel, dem zu entkommen es zunächst des Ausbaus verbesserter Erwerbsbedingungen bedarf; sofern dies gelingt und dann zum Beispiel der Gender Pay Gap geschlossen wird, wird dies Auswirkungen auf den Gender Care Gap und den Gender Pension Gap haben.

Wenig effektive Regelungen

Der Gesetzgeber hat mit dem Entgelttransparenzgesetz und dem Führungspositionengesetz sowie den Verbesserungen im Bereich Teilzeitarbeit wenig effektive Regulierungen beschlossen. Wie Regulierungen gestaltet sein können, die maßgeblich zur Gleichstellung der Frauen in der Erwerbsarbeit beitragen können, hat der mit einer Konzeption eines Gleichstellungsgesetzes für die Privatwirtschaft sowie einer für ein Wahlarbeitszeitgesetzes erarbeitet. Die Gesetzesvorschläge zielen darauf, die deutschen Unternehmen der Privatwirtschaft in Richtung einer diskriminierungsfreien Unternehmenskultur weiterzuentwickeln, in der alle Geschlechter gleiche Verwirklichungschancen haben.

Forderungen des djb

In diesem Zusammenhang fordert der djb unter anderem:

  • eine gesetzliche Pflicht, Diskriminierungen zu erkennen und abzubauen. Hierzu müssen die Entgeltregelungssysteme von Arbeitgebern und Tarifvertragsparteien auf Diskriminierungspotenziale analysiert werden;
  • die Verbesserung der Rechte der Interessenvertretungen von Beschäftigten (Gewerkschaften, Betriebs-/Personalräte);
  • die Einrichtung von Verbandsklagemöglichkeiten;
  • eine Ausweitung der nicht übertragbaren Elterngeldzeit, der sogenannten Vätermonate, zur Förderung tatsächlicher Gleichberechtigung der Geschlechter;
  • die Schaffung eines bürokratiearmen Wahlarbeitszeitgesetztes, welches Mechanismen schafft, die unter Einbeziehung von Betriebsräten und Gewerkschaften Interessen von Arbeitnehmer*innen und Unternehmen in Ausgleich bringen;
  • die Gewährleistung einer lebensphasenorientierten Arbeitszeitgestaltung durch ein Wahlarbeitszeitgesetz, welches Arbeitnehmer*innen einen Anspruch auf Arbeitszeitänderung zusichert;
  • ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft, welches aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen gerecht wird und auch in Klein- und Mittelbetrieben Gleichstellungsfortschritte verspricht.

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