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Pressemitteilung

"Frauenthemen" von 1914 auch heute aktuell: djb gedenkt Gründung des Deutschen Juristinnen-Vereins vor 100 Jahren

Pressemitteilung vom 27.11.2014

1914 wurde der Deutsche Juristinnen-Verein e.V. (DJV) in Berlin gegründet. Dem Gedenken daran war die gemeinsame Veranstaltung des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) und des Deutschen Juristinnenbunds e.V. (djb) am 27. November 2014 in Berlin gewidmet.

Anfang des 19. Jahrhunderts ging es den Juristinnen um die Zulassung von Frauen zu den Juristischen Staatsexamen, zum Referendariat und zu den juristischen Berufen. Das gelang schließlich um 1920 und es gab in Deutschland die ersten Rechtsanwältinnen und Richterinnen. Der DJV verschwand 1933 von der Bildfläche, und mit ihm vor allem die Juristinnen jüdischer Herkunft. 1948 gründete sich der djb, der sich als Nachfolgeorganisation des DJV versteht. Die Frauen waren überwiegend andere, aber die Themen waren nicht überholt und sind immer noch aktuell.

Festrednerin und Richterin des Bundesverfassungsgerichts, Prof. Dr. Susanne Baer: "Der djb sollte zu einem Jubiläum nicht nur irgendwie feiern. Kein Kaffeekränzchen, keine schlichte Party – es gibt gute Gründe für ‚Bambule’. Denn Diskriminierung ist keineswegs passé, sondern – auf komplizierte Weise – aktuell. Das Engagement dagegen war 1914 unkonventionell, und diese freche Ernsthaftigkeit braucht Gleichberechtigung jenseits der Rhetorik auch heute."

Auch heute – 100 Jahre später – gibt es de facto keinen gleichberechtigten Zugang von Juristinnen und Frauen anderer Fachrichtungen zu allen Ämtern und beruflichen Positionen. Frauenkarrieren stecken in den unteren Führungsebenen fest. Es fehlt überall an Strategien und Maßnahmen, um diese Situation grundlegend zu ändern. Für die Wirtschaft hat der djb dies mit dem vom BMFSFJ geförderten Projekt „Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung“ dokumentiert. Die Bundesregierung wird nun den "Entwurf eines Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst" ins Kabinett bringen. U.a. darum ging es bei dem Podiumsgespräch im Rahmen der Veranstaltung. Die Schlussfolgerungen:

  • Ramona Pisal, Präsidentin Deutscher Juristinnenbund e.V. (djb), Berlin: "Auch 100 Jahre später sind wir noch nicht am Ziel. Eine gesetzliche Regelung für alle Führungspositionen, Vorstände und Aufsichtsräte ist ein weiterer wichtiger Schritt. Da Appelle an die Wirtschaft nicht wirken, braucht es eine klare gesetzliche Regelung. Es geht um Macht, Geld, Einfluss – freiwillig wird hier nicht geteilt."
     
  • Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Jutta Limbach, Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts a.D. und ehemalige Präsidentin des Goethe-Instituts, Berlin, plädiert für die Quote: "Endlich Halbe/Halbe! Frauen haben in der Demokratie ein selbstverständliches Anrecht auf Teilhabe an politischer und wirtschaftlicher Macht. Erst wenn das Ziel erreicht ist, sind wir in Deutschland in guter Verfassung."
     
  • Dr. Stefanie Hubig, Staatssekretärin im BMJV, Berlin: "Das Gesetz wird kommen, und das ist auch gut so. Wir setzen den Koalitionsvertrag um und stehen zu unserem Wort. Mehr Frau in allen Führungsetagen ist dringend notwendig. Gerade der erbitterte Widerstand gegen das Gesetz hat bewiesen: Ohne gesetzliche Vorgaben wird sich nichts verändern."
     
  • Thomas Sattelberger, Vorsitzender Human Resources Alliance, München: "Frauen sind für die Wirtschaft ein Gewinn und keine Belastung. Bereits vor 100 Jahren haben engagierte Frauen für eine gleichberechtigte Teilhabe gekämpft. Heute sollte es umso mehr selbstverständlich sein, dass sich auch Männer für die Erreichung dieses Zieles einsetzen."

 

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