Corona-Berichte


Dr. Nikola Koritz, Washington D.C., Rechtsanwältin, Vorsitzende der RG-Washington

Corona-Berichte von djb-Mitgliedern


Dr. Nikola Koritz, Washington D.C.

Die Berichte orientieren sich an den folgenden Fragen:

  •     Was hat sich an meinem Arbeitsplatz ganz konkret für mich durch Corona geändert?
  •     Sehe ich langfristige Auswirkungen auf meinen Arbeitsplatz zukommen, d.h. „nach“ Corona?
        Und wenn ja, welche?
  •     Welche Auswirkungen hat Corona auf die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben/Familie für mich?
  •     Welche positiven Aspekte/Erkenntnisse habe ich aus dieser „Entschleunigung“ für mich gewonnen?

       

Kurz vor der Corona-Krise hatte ich erhebliche berufliche Schwierigkeiten, da ich im vergangenen Herbst meine Arbeitserlaubnis verlängern musste. Obwohl ich den Verlängerungsantrag mit üppigem zeitlichem Vorlauf eingereicht hatte, war ich zwischen Ende Oktober 2019 und Mitte Januar 2020 ohne Arbeitserlaubnis!

Viele Mitarbeiter*innen des State Departments haben sich nach der Wahl Trumps andere Jobs gesucht. Das führt zu langen Bearbeitungszeiten selbst für banale Anträge. Darüber hinaus scheint sich der Government-Shutdown des vergangenen Jahres noch immer auszuwirken.

Dieses durch die Trump-Administration verursachte Chaos bedeutete für mich, dass ich meine Mandate, insbesondere die gerichtlichen Verfahren, abgeben musste und nicht arbeiten konnte, weil das Risiko weiterzumachen und die fehlende Arbeitserlaubnis zu ignorieren einfach zu hoch war. Ich muss nicht ausführen wie genervt ich war und wie oft ich zwischendurch in Gedanken die Koffer gepackt habe, aber ich habe die lästige Warterei immerhin mit der Fortsetzung eines lange gehegten Buchprojekts ausfüllen können („Alzheimer für Angehörige – wie behalte ich die Nerven?“). Nach „nur“ 17 Wochen und sechs Tagen konnte ich tatsächlich wieder anwaltlich tätig werden.

In der Corona-Krise hat sich meine eigene Arbeitssituation nicht verändert, da ich immer von Zuhause aus arbeite, wenn ich keine Mandant*innen treffe.

Das Haus ist jedoch erheblich voller geworden, weil nun auch mein Mann von Zuhause arbeitet und meine drei Töchter (23, 17 und 10 Jahre) da sind, die älteste zurück aus New York und ihrem geschlossenen College. Glücklicherweise haben wir aber genug Platz, so dass wir uns alle in unsere eigenen Ecken zurückziehen können. Wir haben jedoch einen weiteren Schreibtisch aufgestellt, um Konflikte und akustische Störungen bei Online-Treffen zu vermeiden.

Der 13. März 2020, passenderweise ein Freitag, war der letzte Tag, an dem die Schulen in Montgomery County offen hatten. Seitdem befinden wir uns in Quarantäne mit einer stay-at- home-order. Nur notwendige Einkäufe, Hundespaziergänge und Sport (nicht mehr als zwei Personen) dürfen stattfinden. Auch wenn Trump jetzt, ich schreibe dies am 7. Mai 2020, so tut, als sei die Krise vorbei, sind die Zahlen immer noch im Begriff dramatisch zu steigen. Und wir erhielten gerade gestern die Nachricht, dass die Schulen in Maryland auch für den Rest des Schuljahres geschlossen haben. Ob ich in diesem Sommer nach Berlin kommen kann, ist auch noch völlig ungeklärt, denn ich möchte weder in Deutschland noch hier in Quarantäne sein.

Was sich mit Sicherheit ändern wird, ist die Selbstverständlichkeit von Online-Treffen und Tele-Konferenzen. Ich bin schon seit meinem Umzug in die USA vor 15 Jahren der Ansicht, dass viele Treffen viel umweltfreundlicher und schneller online abgehalten werden können als Menschen per Flugzeug um die halbe Welt zu fliegen.

Ich bin die vierte Generation berufstätige Mutter in meiner Familie. Es quietscht immer an irgendeiner Stelle und man muss zwischendurch Kompromisse machen, aber für mich steht an erster Stelle der unbedingte Wille zur Unabhängigkeit und Verwirklichung meiner eigenen Ideen und Ziele, weshalb ich ein ganz entspanntes Verhältnis zum Staub habe, der irgendwo liegt und meine Töchter frühzeitig gelernt haben, ihre Mutter zwischendurch in Ruhe arbeiten zu lassen. Ich finde aber auch, dass wir in der gegenwärtigen Situation nicht so tun sollten, als wenn alles normal wäre.

Zwar durch den Corona-Virus erzwungen, aber: Es ist immer hilfreich zwischendurch einmal auf das eigene Leben zu schauen und gedanklich eine Art Bestandsaufnahme zu machen. Das hilft, sich vom Ballast des Alltags und Aktivitäten zu befreien, die nur anstrengend sind. Es hilft auch neue Perspektiven zu entwickeln und Prioritäten zu verschieben.