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djbZ 2014, Heft 3

European Women Shareholders Demand Gender Equality: Erstes Projekttreffen in Brüssel

Miruna Bucurescu, Linda Walczak
Projektmitarbeiterinnen, Deutscher Juristinnenbund e.V., Berlin

Das djb-Projekt European Women Shareholders Demand Gender Equality hat im April 2014 von der Europäischen Kommission neben 16 weiteren europäischen Projekten den Zuschlag für eine Förderung nach dem PROGRESS-Programm erhalten. Es wird kofinanziert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), dem Ministerium für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt und der Finnischen Handelskammer. Am 16. Mai 2014 war offizieller Projektbeginn.

Am 19. Juli war es endlich soweit: Das djb-Projektteam, nationale Koordinatorinnen und Vertreterinnen der Projektpartner trafen sich erstmals im Rahmen des neuen djb-Projekts „European Women Shareholders Demand Gender Equality“. Ort des Treffens war die Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt bei der Europäischen Union in Brüssel. Im Anschluss an eine erste Vorstellungsrunde der insgesamt 17 aus ganz Europa angereisten Beteiligten, in der Erwartungen und Vorstellungen ausgetauscht wurden, folgte ein intensiver Arbeitstag.

Europaweiter Einsatz für die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen lautet das Ziel des Projektes. In diesem Sinne sollen von Januar bis Juli 2015 die Hauptversammlungen von bis zu 100 börsennotierten Unternehmen, darunter die aller 50 EURO STOXX-Unternehmen besucht werden. Die rechtlichen Grundlagen, die eine Teilnahme an der Hauptversammlung eines börsennotierten Unternehmens ermöglichen, bildeten daher einen der Schwerpunkte des Treffens. Bereits gemachte Erfahrungen, wie in Deutschland und Spanien, sowie mögliche Herausforderungen in den anderen Ländern wurden unter den Teilnehmerinnen intensiv diskutiert.

Des Weiteren wurde ein Fragenkatalog entwickelt, der als Grundlage für die Hauptversammlungsbesuche der europäischen Unternehmen dienen soll. Das europapolitische Fundament des Fragenkatalogs bildet dabei der Kommissionsvorschlag für eine Aufsichtsrätinnen-Richtlinie zur Einführung einer Zielquote für Frauen in Aufsichtsräten von börsennotierten europäischen Unternehmen bis 2020 von 40 Prozent[1], sowie die bereits vom Europäischen Parlament verabschiedete und die vom Rat noch zu verabschiedende CSR-Richtlinie[2]. Diese enthält konkrete Vorgaben zu Diversity und Chancengleichheit in Führungspositionen und verpflichtet europäische Unternehmen zukünftig in ihrem Unternehmensbericht Angaben zu Alter, Geschlecht, Ausbildung und beruflichem Hintergrund ihres Führungspersonals zu machen. Darüber hinaus müssen sie Auskunft zu den Zielen, Maßnahmen und Ergebnissen ihrer Diversity-Politik geben. Tun sie dies nicht, muss dies im Bericht begründet werden. Auf beide Richtlinien, die auf eine Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen auf europäischer Ebene angelegt sind, wird im Fragenkatalog Bezug genommen werden. Weitere Fragen, die auf den Hauptversammlungen im Rahmen des Projekts an die Vorstände und Aufsichtsräte gestellt werden, beziehen sich auf die Rekrutierung von Frauen für höhere Führungspositionen. Dabei geht es zum einen um Personalentwicklungskonzepte und Unternehmensstrategien, zum anderen um die Angabe von konkreten Zahlen.

Als nächster Schritt ist im Herbst ein Workshop für alle nationalen Koordinatorinnen in Helsinki in der finnischen Handelskammer, einem weiteren Projektpartner, geplant. Die finnische Erfahrung mit der erfolgreichen Erhöhung des Anteils von Frauen in der Privatwirtschaft soll im Sinne von vorbildlicher Praxis genutzt werden. Darüber hinaus dient der Workshop dem Coaching der nationalen Koordinatorinnen, deren maßgebliche Aufgabe im Rahmen des Projekts darin besteht, die Hauptversammlungsbesuche in ihrem Land zu organisieren und auszuwerten.

Im Anschluss werden die nationalen Koordinatorinnen wiederum Workshops in ihren eigenen Ländern durchführen, um die zukünftigen Rednerinnen und Dokumentalistinnen auf den Hauptversammlungen bestens auf ihre Aufgabe vorzubereiten.

Die Unternehmen, deren Hauptversammlungen im kommenden Jahr besucht werden, sind zum einen alle Unternehmen aus dem EURO STOXX 50. Dieser Aktienindex beinhaltet die wichtigsten und größten Unternehmen der Eurozone und berücksichtigt acht in das Projekt einbezogene Länder: Belgien, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlanden und Spanien. Weitere bis zu 50 Unternehmen befinden sich in Bulgarien, Ungarn und dem Vereinigten Königreich. Da die Unternehmen dieser Länder nicht im Euro Stoxx vertreten sind, werden hier die Hauptversammlungen von Unternehmen aus den jeweils nationalen Aktienindizes – SOFIX, BUX und FTSE 100 – besucht.

Eine gewisse Kontinuität bedeutet die Teilnahme an den Hauptversammlungen der deutschen Unternehmen, die im EURO STOXX 50 geführt werden. Im Rahmen des mittlerweile abgeschlossenen djb-Projektes Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung (2009-2013) wurden bereits alle Unternehmen mehrfach besucht. 2015 wird der djb erneut auf den Hauptversammlungen der folgenden 14 Unternehmen vertreten sein: Allianz, BASF, Bayer, BMW, Daimler, Deutsche Bank, Deutsche Post, Deutsche Telekom, E.ON, Münchener Rück, RWE, SAP, Siemens, Volkswagen.

Um das Projekt erfolgreich durchzuführen, begrüßen wir jede Form der Unterstützung. Wir freuen uns über die Übertragung von Stimmrechten eigener Aktien und über ehrenamtliche Teilnehmerinnen an den Hauptversammlungen. Wenn Sie Interesse an einer Mitarbeit haben, setzten Sie sich mit dem Projektbüro in Verbindung: Kontakt