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djbZ 2011 Heft 1

Editorial

 

„Juristinnen fragen – Politikerinnen antworten“ hieß am 25. November 2010 unsere Veranstaltung zum Thema: „Entgelt(un)gleichheit: Der deutsche „Gender Pay Gap“ von fast 25 Prozent“ in der Landesvertretung des Freistaats Thüringen in Berlin. Überall in Europa verdienen Frauen weniger als Männer. In den Mitgliedstaaten der Europäischen Union betrug der geschlechtsbezogene Einkommensunterschied (Gender Pay Gap) im Jahr 2008 im Durchschnitt 18 Prozent. In Deutschland lag er bei 23,2 Prozent und damit unter den 27 EU-Mitgliedstaaten weit hinten auf Platz 24. Für den Gen-der Pay Gap gibt es verschiedene Gründe. Einer davon ist Entgeltdiskriminierung, also der Verstoß gegen den Rechtsanspruch auf gleiches Entgelt für Frauen und Männer bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit. Dies steht im Widerspruch sowohl zum Grundgesetz als auch zum Unionsrecht sowie zum deutschen AGG. Warum sich trotz klarer rechtlicher Lage wenig ändert und welcher unterstützenden rechtlichen Maßnahmen es bedarf, waren nur einige der Fragen, die die Kommission Arbeits-, Gleichstellungs-und Wirtschaftsrecht für die Vertreterinnen der fünf Fraktionen im Deutschen Bundestag vorbereitet hatte. Lesen Sie mehr über unsere Fragen und die Antworten der Politikerinnen – oder auch die Fragen der Politikerinnen und unsere Antworten darauf – im Fokus dieses Heftes.

2010 haben djb-Mitglieder, Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Anwältinnen (ARGE) im DAV und Frauen anderer Berufsgruppen wie z.B. Ingenieurinnen über 70 Hauptversammlungen börsennotierter Unternehmen – darunter alle DAX30-Unternehmen – besucht. Es wurden Fragen an die Vorstands-und Aufsichtsratsmitglieder gerichtet wie zum Beispiel: Welche konkreten Maßnahmen wurden unternommen, um die Berücksichtigung von Frauen bei der Bestellung von Vorstand und Aufsichtsrat sicherzustellen? Weitere Fragen bezogen sich auf Kennziffern und konkrete Zielvorgaben zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen. Gefragt wurde auch nach frauenspezifischen Daten, wie der Anzahl der Frauen in den vier Führungsebenen unterhalb des Vorstands, und warum diese Zahlen regelmäßig nicht im Lagebericht veröffentlicht sind, ebenso wie nach dem Frauenanteil bei Qualifizierungsmaßnahmen. Auch über flankierende Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie wollten die Fragenden informiert werden sowie über die Zahl der Männer in Führungspositionen, die Elternzeit in Anspruch nehmen.

Am 1. Dezember 2010 haben wir die Ergebnisse – festgehalten in Form einer Studie – in der Bertelsmann Repräsentanz Berlin präsentiert. Die Studie ist online; Sie können sie und auch weitere Informationen über den Projektablauf auf unserer Webseite www.djb.de abrufen. Die Veranstaltung haben wir in diesem Heft dokumentiert. Das Projekt selbst geht aufgrund der vielen positiven Rückmeldungen und Nachfragen zur Fortsetzung des Projektes dieses Jahr in die nächste Runde.

Jutta Wagner
Präsidentin des djb