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Eine Gedenktafel zu Ehren von Dr. Marie Munk

8. März 2010, Berlin-Schmargendorf

Der Deutsche Juristinnenbund und Bet Debora ehrten am 8. März 2010 in der Auguste-Viktoria-Straße 64, Berlin-Schmargendorf Dr. Marie Munk mit einer Gedenktafel.

Dr. Marie Munk (1885 Berlin – 1978 Cambridge/MA) war Mitbegründerin des "Deutschen Juristinnen-Vereins" und kämpfte für die Zulassung von Frauen in allen juristischen Berufen. Sie war eine der ersten deutschen Rechtsanwältinnen und Richterinnen. 1933 versetzte man sie wegen "nicht arischer Abstammung" in den Ruhestand. Ihre Eltern waren jüdischer Herkunft. In der Auguste-Viktoria-Straße 64 wohnte sie mit ihrer Mutter in den letzten Jahren vor der Emigration.

Es sprach u.a. Jutta Wagner, Präsidentin des Deutschen Juristinnenbunds, Rechtsanwältin und Notarin, Berlin:

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Meine Damen und Herren,
sehr geehrte, liebe Gäste,

es ist mir nicht nur eine Ehre und Freude, sondern auch ein bewegender Moment, Sie heute hier im Namen des Deutschen Juristinnenbundes zur Enthüllung der Gedenktafel für Marie Munk, eine der drei Gründerinnen des Juristinnen-Vereins, unseres Vorgängerverbandes, begrüßen zu dürfen.

Sie, Frau Dämmig, als Vorsitzende der mit uns gemeinsam stiftenden und veranstaltenden jüdischen Frauenorganisation Bet Debora, begrüße ich besonders herzlich. Eine ganz große Ehre ist, dass Sie, Frau Bürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf Thiemen, heute zu uns sprechen und ich grüße und danke gleichzeitig schon unseren Rednerinnen, Frau Rechtsanwältin Goy und Frau Rechtsanwältin Rado.

Von diesem Haus, von dieser Straße aus trat die konvertierte jüdische Juristin Marie Munk 1936 ihren Weg in die lebenslange Emigration, in die Sicherheit vor Verfolgung und Mord an.

Heute ehren Sie, Frau Präsidentin des Landesverfassungsgerichtshofs Berlin Margret Diwell, Frau Senatorin für Justiz Gisela von der Aue, Frau Präsidentin des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg Monika Paulat, das Bundesministerium der Justiz mit Ihnen, Frau Abteilungsleiterin Marie Luise Graf-Schlicker, die Bundesrechtsanwaltskammer durch ihren Hauptgeschäftsführer Herrn Göcken, die Präsidentin der Rechtsanwaltskammer Berlin Irene Schmid, und der Deutsche Anwaltverein durch Sie, Frau Lisson, die erste deutsche Richterin Marie Munk. Dafür danke ich Ihnen.

Es dürfte ziemlich sicher sein, dass die Verabschiedung Marie Munks einen anderen Rahmen hatte.

Was wäre aus Marie Munk und so vielen anderen geworden, wenn vergleichbare Kreise sich damals schützend öffentlich vor jeden Einzelnen gestellt hätten? Antisemitismus, wir sollten uns dessen bewusst sein, ist kein Problem der Vergangenheit, er ist durchaus präsent.

Es ist kein Zufall, dass wir Marie Munk am 8. März 2010 ehren, ist dies doch der Tag, der sich inzwischen international und überparteilich als Frauentag etabliert hat. Dass wir dies heute tun können, verdanken wir vielen Beitragenden.

Zuerst denke ich dabei an unser Mitglied Gertrud Hofmann, die einen förmlichen Antrag dazu an den Bundesvorstand stellte, einen erheblichen finanziellen Beitrag leistete und heute aus München zu diesem Anlass hier angereist ist.

Engagierte, geduldige und beharrliche Vorarbeit leistete unsere djb-Geschäftsführerin Anke Gimbal gemeinsam mit Ihnen, Frau Dämmig, der Vorsitzenden von Bet Debora und den beiden Designerinnen der Tafel Roswitha Baumeister und Anita Meier.

Ganz besonderen Dank schulden wir für ihre vielfältige, auch finanzielle, Bereitschaft, das Projekt zu unterstützen, den Mitgliedern der Wohnungseigentumsgemeinschaft Auguste-Viktoria-Straße 64 und Bewohnerinnen und Bewohnern dieses Hauses. Hier geht mein Dank ganz besonders an die Mitglieder des WEG-Verwaltungsbeirats des Hauses Auguste-Viktoria-Straße 64.

Ohne Ihrer aller Unterstützung wäre dieser Tag nicht möglich gewesen und dass so viele mit uns Marie Munk und mit ihr unzählige andere Vertriebene und Gemordete ehren, dafür danke ich Ihnen von Herzen.