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Der Deutsche Juristinnenbund und Bet Debora
laden ein zur Enthüllung einer Gedenktafel für

Dr. Marie Munk

Montag, 8. März 2010, 17.00 Uhr
Auguste-Viktoria-Straße 64, 14199 Berlin-Schmargendorf

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Dr. Marie Munk gründete 1914 in Berlin zusammen mit Dr. Margarete Berent und Dr. Margarete Mühsam-Edelheim den "Deutschen Juristinnen-Verein". Der Juristinnen-Verein bezweckte, insbesondere die beruflich-wissenschaftliche Fortbildung der Juristinnen zu fördern. 1933 löste der Verein sich auf, um der "Gleichschaltung" durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Die Gründerinnen des Juristinnen-Vereins gingen ins Exil und kehrten – wie die meisten anderen als Jüdinnen verfolgten Juristinnen – nicht aus der Emigration zurück.

1948 wurde in Dortmund die Vereinigung "Weibliche Juristen und Volkswirte e.V." gegründet, heute "Deutscher Juristinnenbund e.V. (djb)", die sich als Nachfolgerin des früheren Juristinnen-Vereins betrachtet. Bet Debora ist eine 1998 ins Leben gerufene Initiative jüdischer Feministinnen.

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Biografie

Marie Munk wurde am 4. Juli 1885 als jüngstes von drei Geschwistern in Berlin geboren. Sie stammte aus einer typischen bildungsbürgerlichen Familie ihrer Zeit. Der Vater war Landgerichtspräsident. Die Eltern waren jüdischer Herkunft, aber konvertiert. Marie wurde evangelisch getauft und später konfirmiert.

Nach Abschluss der höheren Mädchenschule begann Marie Munk eine Ausbildung zur Lehrerin, die sie abbrach. Sie wurde dann Kindergärtnerin und arbeitete anschließend in den Frauen- und Mädchengruppen für Soziale Arbeit um Alice Salomon. Als junge Frau bekam sie aufgrund der Vereinsstrukturen keine verantwortlichen Aufgaben. Also bereitete sie sich dann doch auf ein externes Abitur vor, das sie 1907 bestand und begann mit dem Jurastudium in Berlin und Bonn. In Bonn war sie die erste preußische Studentin, die sich im Wintersemester 1908/1909 für die Rechte immatrikulierte. Sie wechselte an die Universität von Heidelberg, wo sie 1911 ihren Doktortitel mit einer Arbeit über "Die widerrechtliche Drohung des § 123 BGB in ihrem Verhältnis zu Erpressung und Nötigung" erwarb.

Erste Berufserfahrungen sammelte Marie Munk als Volontärin in einer Rechtsanwaltskanzlei in Bonn. Danach arbeitete sie bei der Frauen-Rechtsschutzstelle in München, für das Rote Kreuz, lehrte Staatsbürgerkunde an einer Schule und gab Kurse für Sozialarbeiter. 1915 kehrte Marie Munk nach Berlin zurück, arbeitete im Magistrat Berlin-Schöneberg in der Wohlfahrtspflege und unterrichtete in der Sozialen Frauenschule der Inneren Mission.

Nach Kriegsende engagierte sie sich in der Deutschen Demokratischen Partei. Gleichzeitig bereitete sie sich auf das Referendarexamen vor, das sie 1920 bestand. Obwohl Frauen in Preußen 1920 noch gar nicht zum Vorbereitungsdienst zugelassen waren, gelang es Marie Munk, am Gericht in Schöneberg eine Stelle als Volontärin zu erhalten. Die Zeit wurde ihr später auf ihren Referendardienst angerechnet. Am 7. Januar 1924 legte sie als erste Frau in Preußen mit "Vollbefriedigend" das Assessorexamen ab.

Ebenfalls als erste Frau Preußens wurde sie daraufhin als Assistentin des preußischen Justizministers Eugen Schiffer in dessen Ministerium eingestellt. Nachdem ihre Stelle eingespart worden war, beantragte sie wiederum als erste Frau Preußens die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Im Mai 1924 eröffnete sie ihre eigene Kanzlei. Sogar die japanischen und amerikanischen Medien berichteten über die erste Frau in Robe in Preußen. Einige Monate nach ihrer Zulassung war sie auf dem 33. Deutschen Juristentag in Heidelberg die einzige weibliche Referentin. Für den Bund deutscher Frauenvereine schrieb sie ein Memorandum über notwendige Änderungen im Scheidungsrecht, das 1924 dem Reichstag vorgelegt wurde.

1929 bewarb sie sich als Richterin und erhielt zunächst eine Kommission als Hilfsrichterin am AG Charlottenburg. Am 11. August 1930 wurde sie durch den Preußischen Justizminister Schmidt zur Landgerichtsrätin am Landgericht III in Berlin und gleichzeitig zur Amtsgerichtsrätin am AG Charlottenburg ernannt.

1933 wurde Marie Munk aufgrund ihrer nunmehr von den Nationalsozialisten definierten Zugehörigkeit zum Judentum nach den Bestimmungen des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufbeamtentums aus dem Justizdienst entlassen.

Zuvor schon war sie beurlaubt worden, um als Präsidentin der von ihr 1930 mitgegründeten "Vereinigung berufstätiger Frauen" im Juli 1933 einer Einladung der Präsidentin des amerikanischen nationalen Frauenrats zum Internationalen Frauenkongress in Chicago zu folgen. Zeitweise arbeitete sie als Lehrerin an der "New York State Training School for Girls" in Hudson, N.Y., nebenbei verfasste sie eine wissenschaftliche Publikation über ihre Arbeit mit straffälligen Jugendlichen. Die Kontakte, die Marie Munk hier gewann, halfen ihr, 1934 ein Einreisevisum für die Vereinigten Staaten zu erhalten. Sie hielt sich bis zum Tod ihrer Mutter im September 1936 noch einmal für knapp zwei Jahre in Deutschland auf, kehrte dann aber in die USA zurück. Zunächst ließ sie sich in Philadelphia nieder. Gelegentliche Vortragsreisen und Arbeit in Forschungsgruppen verschiedener Colleges, Institutionen und Universitäten finanzierten ihr Leben. Dann erhielt Marie Munk eine Position als "Visiting Professor" am Hood College in Frederick, Md. Sie hielt dort Vorlesungen in Sozialwissenschaften, Religion, Geschichte, Hauswirtschaft und Deutsch. Im Sommer 1939 wurde die Juristin für die "Summer School of Social Research" an das Smith College in Northampton, Mass. berufen. Es gefiel ihr, so dass sie für zwei Jahre blieb, forschte und Aufsätze zum anglo-amerikanischen Recht veröffentlichte.

Sie stellte fest, dass die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft in Massachusetts möglich war, ohne noch einmal die Universität besuchen oder die Anwaltszulassungsprüfungen ablegen zu müssen, wenn man zuvor fünf Jahre in einem anderen "Staat der USA oder einem Fremdstaat" praktiziert hatte. Die "Bar" schien der Zulassung Marie Munks nicht abgeneigt zu sein, doch die Vorsitzenden wollte keinen Präzedenzfall schaffen und schlugen ihr vor, zumindest die Anwaltszulassungsprüfungen abzulegen. Diese bestand die Juristin im Dezember 1943, zog nach Cambridge, Ma., wurde kurz darauf eingebürgert und erhielt 1944 ihre Zulassung als Rechtsanwältin.

Es gelang ihr nicht, eine Stelle in einer Kanzlei zu finden, doch Marie Munk wurde in das Amt des "Marriage Counselors of the Friend of Court" - eines Eheberaters - in Toledo, Ohio, berufen. Im Herbst 1945 kehrte sie nach Cambridge zurück, um sich an der Universität Harvard noch einmal fortzubilden und mit dem Titel "Außerordentlicher Professor" abzuschließen. 1953 erhielt sie ihr Diplom. Daneben arbeitete die Juristin in einer Rechtshilfestelle, gab weiterhin Vorlesungen, betreute Studenten der Harvard Universität, arbeitete an eigenen wissenschaftlichen Projekten und veröffentlichte. Vor allem arbeitete sich die Rechtsanwältin in das Wiedergutmachungsrecht ein und konnte mit diesen Fällen eine gut gehende Kanzlei betreiben. Nach sieben Jahren Arbeit in dieser für sie neuen Rechtsbranche, zog sich Marie Munk aus dem Berufsleben zurück.

Auch ihr Engagement für Frauenverbände hat Marie Munk in den Vereinigten Staaten so wie in ihrer alten Heimat fortgesetzt. Marie Munk starb am 17. Januar 1978 in Cambridge/Mass.

ausführlicher: Marion Röwekamp in: Juristinnen. Lexikon zu Leben und Werk, hrsg. vom Deutschen Juristinnenbund, Baden Baden 2005.