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Elterliche Verantwortung: Entwicklung elterlicher Sorge und Umgang in Europa und Deutschland

djb-Seminar am 12./13. September 2014 im Gustav-Stresemann-Institut, Langer Grabenweg 68, 53175 Bonn

 

Tatsächlich gelebte Elternschaft ist im Wandel begriffen und die rechtliche Situation im Umbruch. Anlässlich von Trennungen und Scheidungen wird nach alternativen Betreuungsmöglichkeiten gesucht. Das Wechselmodell gewinnt gegenüber dem Residenzmodell an Boden und ist in Nachbarländern wie Frankreich schon gesetzlich geregelt, in Deutschland aber nicht. Auch Kinder aus binationalen Verbindungen sind heute mit Rücksicht auf die wachsende Globalisierung und Arbeitnehmerfreizügigkeit keine Einzelfälle mehr. Die gerichtlichen Verfahren, die die Entführung von Kindern zum Gegenstand haben, nehmen ebenso zu wie grenzüberschreitende Sorge- und Umgangsstreitigkeiten. Zudem hat die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) einen erheblichen Einfluss auf die deutsche Rechtsprechung und den deutschen Gesetzgeber. Das gilt auch im Familienrecht, wo der EGMR u.a. die Rechte der Väter nichtehelich geborener Kinder gestärkt hat. Nach langen Diskussionen und erheblichen Widerständen im Gesetzgebungsverfahren trat am 19. Mai 2013 daraufhin in Deutschland das Gesetz zur Reform der elterlichen Sorge nicht miteinander verheirateter Eltern in Kraft.

Wie steht es mit der Geschlechtergerechtigkeit im Familienrecht, inwieweit bedarf es der Heranziehung beider Elternteile zur Betreuung, um die gemeinsame elterliche Verantwortung nicht als "leere Hülle" zu verstehen? Diese und weitere Fragen werden wir diskutieren und die neuen Regelungen kritisch hinterfragen.