Navigation

Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung: Wie soll der Wandel gelingen?

am Montag, 19. März 2012, von 11.00 bis 13.30 Uhr in der Königlich Norwegischen Botschaft, Rauchstraße 1, 10787 Berlin

Unter der Fragestellung "Wie soll der Wandel gelingen?" haben wir Expertinnen und Experten aus Politik und Wirtschaft eingeladen, Empfehlungen zur Erreichung unseres Zieles, mehr Frauen in Führungspositionen börsennotierter Unternehmen zu bringen, auszusprechen.

Nach einem Grußwort von S.E. Botschafter Sven Erik Svedman, welcher die Bedeutung der Gleichstellung als elementaren Grundwert unserer Gesellschaft herausstellte und von der Erfahrung mit der gesetzlichen Einführung einer Frauenquote in Norwegen berichtete, sprach Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Telekom AG.

Als bisher einziges Unternehmen hat die Telekom AG 2010 eine Frauenquote mit dem Ziel eingeführt, bis Ende 2015 30 Prozent der oberen und mittleren Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Das die Telekom AG auf dem besten Weg ist, dieses Ziel zu erreichen, daran ließ Sattelberger keinen Zweifel bestehen. Als einer der Ersten hatte er das Thema „aus dem Hinterhof der Personalpolitik hervorgeholt“, um gegen die „traurige Schieflage“ etwas zu tun. Seine Empfehlung glich einer Aufforderung, dass Frauen zukünftig verstärkt den Mut haben sollen, vor allem im operativen Geschäft so genannte „Profit- & Loss-Verantwortung“ zu übernehmen.

Im Anschluss sprach Dr. Brigitte Lammers, Partnerin der Egon Zehnder International. Mit zehn prägnanten Punkten hob sie hervor, dass beim Thema Frauen in Führungspositionen "über das ‚ob’ […] heute nicht mehr gesprochen wird, über das ‚wie’ aber nach wie vor heftig gestritten" wird. Dabei unterstrich sie die Aufforderung von Sattelberger, sich nicht nur in den so genannten "Querschnittsfunktionen", wie Personalmanagement, Marketing, und Kommunikation, zu engagieren. Da diese eben nicht jene Bereiche sind, aus der "auf Vorstandsebene mehrheitlich rekrutiert wird". Wichtig in diesem Kontext bleibt die anhaltende "aktive Auseinandersetzung mit Vorprägungen und Vorurteilen, [mit] denen sich Frauen vielfach in Unternehmen auseinander setzen" müssen. Nur so kann langfristig ein Kulturwandel im Unternehmen angestoßen werden.

Stephanie Bschorr, Kommissarische Präsidentin des Verbands deutscher Unternehmerinnen, trägt mit dem Projekt Stärkere Präsenz von Frauen in Aufsichtsgremien zur Verwirklichung unseres gemeinsamen Zieles bei. Durch den Aufbau einer Datenbank mit potenziellen weiblichen Führungskräften wird der immer wiederkehrenden Behauptung entgegengewirkt, "dass vakante Positionen nicht mit Frauen besetzt werden könnten, da es keine geeignete Kandidatin gäbe". Bschorr betonte, dass mit Ende der Projektlaufzeit 2013 insgesamt 150 Frauen bereitstehen, die "durch entsprechende Seminare auf die Übernahme eines Mandats in einem Aufsichtsgremium" vorbereitet wurden.

Sigrun Mast, Maître en droit und Rechtsanwältin, berichtete von ihren Erfahrungen im Seminar Der zertifizierte Aufsichtsrat. Darüber hinaus stellte sie die besondere Verknüpfung von Gesellschaft und Recht heraus und sensibilisierte so das Publikum hinsichtlich möglicher Konsequenzen bei der Umsetzung des gemeinsam angestrebten Zieles, der Einführung einer Frauenquote für die Besetzung von Führungspositionen.

Prof. Dr. Friederike Maier, Direktorin des Harriet Taylor Mill-Instituts für Ökonomie und Geschlechterforschung, analysierte das Thema aus der wissenschaftlichen Perspektive und sprach Empfehlungen hinsichtlich einer gezielteren Erforschung aus, da gerade in der öffentlichen Diskussion Forschungstendenzen, wie etwa der ökonomische Erfolg von gemischten Boards gegenüber männlich besetzten Gremien, als in der Realität schon bestätigte Argumente unhinterfragt übernommen werden.

Die Veranstaltung beendete Monika Schulz-Strelow, Präsidentin FidAR e.V., mit ihrem Plädoyer "weiterzukämpfen", nicht trotz, sondern gerade wegen der gemeinsamen Erfolge der Frauenverbände in den letzten Jahren. Mit dem Women-on-Board-Index, welcher 2011 erstmals veröffentlicht wurde, ist ein weiteres Instrument geschaffen worden, welches „das Thema 'Frauenförderung' wirklich zu einem Thema der gesamten Unternehmensstruktur" hat werden lassen.

Die Veranstaltung bildete den Auftakt unseres Projekts Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung 2012. Auch in diesem Jahr werden wir wieder Aktionärinnen und Teilnehmerinnen zu den Hauptversammlungen von insgesamt 76 börsennotierten Unternehmen, darunter alle DAX-30 sowie 46 weitere Unternehmen entsenden.


Programm

Begrüßung


Statements

Die Statements der Rednerinnen und Redner sind in der djbZ 2/2012 dokumentiert.