djbZ 2010 Heft 3

Editorial

Der Frauenanteil bei Studienanfänger(inne)n liegt bei über 40 Prozent. Viele junge Frauen erhoffen sich, mit den im Jurastudium erworbenen Kenntnissen im späteren Berufsleben ein breites Betätigungsfeld zu haben. Folgerichtig steigt der Frauenanteil in juristischen Berufen. Nicht nur in Justiz und Anwaltschaft gilt es aber für Frauen viele Hürden zu überwinden. In Anwaltskanzleien ist der Druck besonders groß, der öffentliche Dienst ist von Kürzungen bedroht. Viele Frauen finden sich etwa nach der Schwangerschaft in der „Teilzeitfalle" wieder. Also werden alternative juristische Berufe attraktiver: In der Reihe „Die 100 ersten Tage - Berufsanfängerinnen berichten" lassen uns drei junge Frauen an ihren Erfahrungen teilhaben.

Die Frauenbewegung hat viel erreicht: Für Frauen sind die Möglichkeiten, ihren Lebensweg zu gestalten, sehr groß. Wie man sich schon als Studentin engagieren kann, zeigen beispielhaft die Artikel über das Universitätsleben in Freiburg und Potsdam. Nach erfolgreichem Studienabschluss bietet sich für viele junge Frauen der Erwerb des Doktortitels an oder ein Aufbaustudium im Inland oder Ausland. Zwei Autorinnen schreiben über ihre Wahlstation im Referendariat, die sie im Ausland verbracht haben.

Ist die Ausbildungsphase einmal abgeschlossen, stellt sich die Frage, welchen Beruf man ergreifen will. Eine junge Anwältin berichtet in ihrem Artikel darüber, warum sie sich dafür entschieden hat, in einer Kanzlei zu arbeiten, in der nur Frauen angestellt sind.

Ethnische Herkunft oder sexuelle Orientierung dürfen keine Hindernisse für eine Karriere sein, dies zeigt sich im Deutschland des Jahres 2010 selbst auf höchster politischer Ebene. Heute können Frauen wählen, ob sie sich für den Beruf entscheiden oder für Kinder und gegen den Beruf. Es bestehen keine gesellschaftlichen Zwänge, ob sie heiraten oder nicht. Sobald Frauen aber versuchen, Kinder und Karriere zu vereinbaren, stoßen sie an Grenzen: Sei es im Privaten, weil sich in vielen Partnerschaften die alte Rollenverteilung wieder einstellt; sei es im Beruf, weil sie sich sogar genötigt fühlen, in Bewerbungsschreiben ihre Kinder zu verschweigen. Von den Schwierigkeiten, nach einem Jahr Elternzeit wieder in die Staatsanwaltschaft einzusteigen, berichtet Dorothea Gaudernack.

Auf den Fokus dieses Heftes nehmen folgende Autorinnen in anderen Rubriken Bezug: Petra Pflugfelder schreibt in ihrem Beitrag in der Rubrik „Berichte und Stellungnahmen" über die Bedeutung von Netzwerken für die Karriere von Frauen. Besonders interessant ist hier auch der Bericht von MdB Mechthild Rawert, die vor dem Hintergrund ihres eigenen Karriereweges aktuelle Missstände in der Gleichstellungspolitik aufzeigt. In der Rubrik „Ausbildung und Arbeit" betont Prof. Carola Sonne in ihrem Artikel, wie wichtig es ist, beim beruflichen Fortkommen die Macht der Stimme für sich zu nutzen. Auch wenn es nach eigener Aussage keine „Zauberformel" für die perfekte Bewerbung gibt, vermittelt Dr. Sabine Lang in ihrem Text dennoch wertvolle Tipps für eine erfolgreich Bewerbung.

Oft wird modernen jungen Frauen Profillosigkeit vorgeworfen; sie seien nur auf den eigenen Vorteil bedacht und hätten keine Ideale. Die Artikel junger Juristinnen beweisen, dass viele junge Frauen einen Beitrag in Sachen Gleichberechtigung und Chancengleichheit leisten wollen. Der djb bildet dabei die Plattform, auf der Generationen starker Frauen voneinander lernen und einander Mut machen können.


Katharina König
Vertreterin der Mitglieder in Ausbildung im Bundesvorstand des
djb, Studentin, Freiburg i. Br.

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