djbZ 2009 Heft 2

Déjeuner Débat mit der Groupe de réflexion et d’action Femme, Démocratie et Développement (Togo)
am 24. September 2009, 13.00 bis 14.30 Uhr, Karlsruhe

von Sylvia Cleff-Le Divellec, LL.M. (Paris 2)

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Im Februar 2008 knüpfte ich für den djb einen interessanten und vielversprechenden Kontakt zum Frauenrechtsverband „Groupe de réflexion et d’action Femme, Démocratie et Développement“ (GF2D) in Togo. Renate Staudenmeyer, Fachkraft des DED (Deutscher Entwicklungsdienst), vor Ort in Lomé und seit Juni 2007 als Beraterin für diesen Frauenverband tätig, ist die direkte Kontaktperson. Ich konnte sie bereits einmal in Paris treffen und persönlich kennen lernen und ihre Begeisterung für die Aktivitäten des Vereins und ihr Engagement erleben. Der djb freut sich sehr, zum Bundeskongress 2009 die Vorstandsvorsitzende von GF2D zu begrüßen. Sie wird mit allen interessierten Frauen während eines Déjeuner Débat über die Situation der Frauen in Togo und die Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit mit dem djb diskutieren. Als Vorbereitung auf diese Begegnung, die in ihrer Art für den djb eine Premiere darstellt und die internationale Öffnung unseres Vereins unterstreicht, werden in Heft 2/2009 djbZ, S. 72–73 die Aktivitäten von GF2D/CRIFF vorgestellt.

Während unseres Bundeskongresses und insbesondere des Déjeuner Débat am Freitag, den 24. September 2009, 13.00 bis 14.30 Uhr, wird die Möglichkeit bestehen, mit Mme Kuwonu, der Generalsekretärin von GF2D über aktuelle Veränderungen und konkrete Herausforderungen ihrer täglichen Arbeit zu sprechen. Wir sind gespannt darauf, mehr über diesen togoischen Frauenrechtsverband zu erfahren, und vielleicht – über alle kulturellen Unterschiede hinweg – gemeinsame Handlungsstrategien zu entwickeln.

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GF2D/CRIFF – ein Frauenrechtsverband aus Togo

GF2D wurde 1992 als Nichtregierungsorganisation in Togo (Westafrika) von ca. 30 Juristinnen und Frauen mit unterschiedlichem beruflichem Hintergrund gegründet. Nach der Erarbeitung einer Satzung hat sich dieser Frauenrechtsverband seit 1994 ein Exekutiv-Organ zur Seite gestellt, das „Centre de Recherche d’Information et de Formation pour la Femme“ (CRIFF). CRIFF ist damit beauftragt, diejenigen Aktivitäten umzusetzen, die in einem Fünfjahresplan für die drei Programmbereiche von GF2D konzipiert und geplant werden: für den Bereich juristische Dienstleistungen, den Bereich bürgerrechtliche Bildung von Frauen und den sozioökonomischen Bereich. Der juristische Programmbereich von GF2D/CRIFF verfolgt die Verwirklichung übergeordneter Zielsetzungen, wie

Überzeugt davon, dass die Verbesserung der rechtlichen und sozialen Situation von Frauen in Togo Schlüsselelemente darstellen, um wirkliche demokratische und nachhaltige Entwicklung im ganzen Land voranzubringen, hat GF2D/CRIFF folgende zwei Hauptbereiche in den Mittelpunkt seines Engagements gestellt:

Fortbildungen im Bereich der rechtlichen Bildung von Frauen in Togo

Parajuristes/LaienjuristInnen: GF2D/CRIFF hat sich als erste Organisation in Togo für die Ausbildung sogenannter Laienjuristinnen eingesetzt (parajuristes). Bereits von 1994 bis 2000 wurden ca. 300 Frauen als Laienjuristinnen geschult, die man auch „les juristes aux pieds nus“[1]1 nennt. Inzwischen gibt es im ganzen Land fast 600 solcher Laienjuristinnen und -juristen, die eine Fortbildung von GF2D erhalten haben und regelmäßig weiter geschult werden. Die ausgebildeten Laienjuristinnen und -juristen (seit 2001 werden auch einige Männer ausgebildet) sind in 33 regionalen Netzwerken organisiert. Mit ihrem ehrenamtlichen Engagement stehen sie gezielt Frauen, aber auch der gesamten Bevölkerung mit juristischer Aufklärung und Beratung zur Seite und sensibilisieren sie für die Bedeutung der Wahrnehmung ihrer bürgerlichen Rechte.

Ein Kernelement der Aktivitäten der LaienjuristInnen stellt die Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit der Bevölkerung in ihrem Umfeld dar, die oft mit einfachem didaktischem Material begleitet wird (selbst entwickelte Sketche, Radiosendungen mit den lokalen Radiosendern, falls vorhanden Plakate oder Faltblätter in lokaler Sprache etc.).

Auf Initiative der LaienjuristInnen gibt es mittlerweile im ganzen Land sieben Beratungszentren (2 x Lomé, Tsévié, Kpalimé, Atakpamé, Bafilo und Kara). Hier werden Lösungen für juristische Problemstellungen gesucht, wenn es um familiäre Probleme geht, um Scheidung, Unterhalt der Kinder, Kinderrechte und Elternpflichten, um die Bedeutung von amtlichen Bescheinigungen bei Geburten oder Heirat, Rechtsschutz im Falle von sexueller Gewalt und sexueller Belästigung, oder wenn Witwen unter den sozial ausgrenzenden und erniedrigenden Erbrechts-Ritualen leiden (in denen die Frauen u.a. belegen müssen, dass sie nicht am Versterben des Ehemannes beteiligt waren).

Neben der ethnischen Vielfalt (über 40 verschiedene ethnische Gruppierungen) gibt es in Togo eine weitere Besonderheit, die sich auf die juristische Beratungsarbeit von GF2D/ CRIFF auswirkt: im westafrikanischen Kontext spielen nicht nur offizielle Gesetzestexte eine Rolle für die Rechtsgebung und Rechtsprechung, sondern es existieren daneben „les droits coutumiers“[2], die von der jeweiligen lokalen „chefferie traditionnelle“ umgesetzt werden und je nach Region eine mehr oder weniger große und gerade für Frauen benachteiligende Rolle spielen.

Lobbying, Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit für die Förderung von Frauen in öffentlichen Positionen

GF2D gehört in Togo zu den renommierteren zivilgesellschaftlichen Organisationen und war als Vertreterorganisation von Togos Zivilgesellschaft am Zustandekommen und der Unterzeichnung des „Accord Politique Global“ im August 2006 beteiligt. In dieser Funktion hat GF2D ein kontrollierendes Auge auf Handlungen und Entscheidungen der togoischen Regierung. Dies ist gerade im Moment, da Togo eine wichtige Phase der Demokratisierung durchläuft, von enormer Bedeutung. Auch hier ein konkretes Beispiel: Im Mai 2007 wurde auf dem Projektgelände eine Pressekonferenz abgehalten, da eines der obersten Gerichtsorgane, das Verfassungsgericht, vom togoischen Parlament neu besetzt wurde – allerdings ausschließlich mit männlichen Vertretern der Regierungspartei. Im Rahmen der Pressekonferenz wurde dies von GF2D deutlich kritisiert und der Präsident direkt aufgefordert, seine Verantwortung gemäß den Vereinbarungen des abgeschlossenen „Accord Politique Global“ einzuhalten. In diesem ist unter anderem festgelegt, dass Frauen in Entscheidungspositionen beteiligt werden sollen. Folge der Pressekonferenz: immerhin wurde eine Frau unter die (männlichen) Mitglieder des „Cour constitutionnelle“ berufen.

„Die Frauen selbst werden über ihre Rechte aufgeklärt und dabei unterstützt, diese auch anwenden zu können.“ – so beschreibt Mme Kafui Afiwa Kuwonu, aktuelle Vorstandsvorsitzende, den Arbeitsansatz von GF2D/CRIFF, und weiter: „Entscheidungsträger werden davon überzeugt, dass Bedingungen geschaffen werden müssen, die der Anerkennung und Wahrung von Menschen- und Frauenrechten Rechnung tragen. [3]

Heute wissen wir, dass der Ansatz von GF2D die Bevölkerung in das Bewusstsein ihrer rechtlichen Position gebracht hat, so dass sie als Bürgerinnen und Bürger verantwortlich handeln können: Frauen erkennen ihre Rolle und ihren (rechtlichen) Platz in der Gesellschaft. Wir sind jedoch noch weit davon entfernt, dass Frauen ihre Rechte vollständig wahrnehmen. Dennoch bestärken unsere Aktivitäten die togoischen Frauen darin, ihre Rechte im familiären und lokalen Umfeld wahrzunehmen. Und es ist auch nicht zu unterschätzen, dass Organisationen der Zivilgesellschaft wie GF2D/CRIFF eine wichtige Rolle in der Begleitung und kritischen Beobachtung der Regierung einnehmen, dass sie ein Auge darauf haben, damit politische Entscheidungen zum Wohle des Volkes getroffen werden.“

Sylvia Cleff Le Divellec, LL.M. (Paris 2)
Mitglied der Kommission Europa/Völkerrecht. Lebt und arbeitet seit 2005 in Paris. Sie leitet die juristische Abteilung der Unternehmensberatung „ALETEYA, conseil en diversité“, spezialisiert auf Beratung und Fortbildung zum Thema Antidiskriminierung und Gleichbehandlungspolitik

Renate Staudenmeyer
Soziologin, seit 2007 Fachkraft des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) in Togo, arbeitet als Beraterin für den Frauenrechtsverband GF2D/CRIFF in Lomé,


Anmerkungen

[1] Wörtlich übersetzt „die barfüßigen Juristen“, eine bildliche Beschreibung der LaienjuristInnen.

[2] Gewohnheitsrechte.

[3] Interview für DED-Brief, März 2009.

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