aktuelle informationen 2005 Heft 3
editorial
von Christiane Schreiber
Vor rund 15 Jahren wurde die Kommission Ältere Menschen eingesetzt und rief zunächst im Verband Erstaunen hervor: Was sollte daran frauenrelevant sein und welches Rechtsgebiet käme überhaupt in Betracht?
Die nachfolgenden Beiträge lassen schnell erkennen, dass schon auf Grund der demoskopischen Entwicklung Altenpolitik in erster Linie Frauen betrifft und dass es sich bei der Kommissionsarbeit um einen interdisziplinären Bereich handelt. Denn alle Rechtsgebiete können aus der Sicht älterer Menschen andere Dimensionen erhalten. Schon früh wurde die Gewalt in der Familie gegenüber den alten und hilflosen Angehörigen thematisiert. Die ersten Exemplare der von der Kommission entworfenen Patientenverfügung wurden dem djb "aus den Händen gerissen" und stießen eine bundesweite Diskussion an, die bis heute nicht abgeschlossen ist. Zu ungewöhnlich war und ist die Forderung in einer jugendorientierten Gesellschaft, sich mit dem Lebensende zu befassen. Neue mehr oder weniger altersgerechte Wohnformen tauchten auf und ließen bald erkennen, dass nicht selten die fehlende Kraft der Älteren sich zu wehren gnadenlos ausgenutzt wird. Explizit sei an den Beitrag von Dr. van Hees " Betreutes Wohnen im Alter" in den aktuellen informationen 1/2002 erinnert. Und die explodierenden Heimkosten und die damit verbundenen Belastungen für die Familien treiben die Kommission um und verdeutlichen, wie hilflos oftmals der Einzelne einem Geflecht von Staat und wirtschaftlichen Interessengruppen gegenüber steht.
Die heute veröffentlichten Beiträge der Kommissionsmitglieder können nur einen Ausschnitt der Arbeit wiedergeben, zeigen aber gleichzeitig auf, in welche Richtung es weitergehen soll.
Christiane Schreiber ist Rechtsanwältin in St. Wendel und Vorsitzende der Kommission "Ältere Menschen" des djb.
