aktuelle informationen 2005 Heft 2
editorial
von Dagmar Freudenberg
Im Fokus steht die Gewalt: nicht die weithin sichtbare und zu verurteilende kriegerische Gewalt oder die ebenso einmütig geächteten offenkundigen Verbrechen gegen Frauen. Im Mittelpunkt steht die heimliche Gewalt im häuslichen Bereich, von der Viele wissen, aber nur hinter vorgehaltener Hand reden. Diese Gewalt, die Kontrolle und Bedrohung der Opfer einschließt, zerstört die Beziehungen und in deren Folge die Entwicklung der betroffenen Frauen und Kinder. Die Verabschiedung des GewSchG und die Umsetzung des notwendigen Paradigmenwechsels weg von häuslicher Gewalt als Privatsache hin zur nachhaltigen Verfolgung dieses gesellschaftsschädlichen Verhaltens begleitet unsere Kommission jetzt im vierten Jahr. Soziologische Bedeutung und die nunmehr wissenschaftlich erforschte Prävalenz dieser Gewalt wird hier ebenso dargestellt wie die notwendigen Änderungen in der praktischen Bearbeitung durch Zivilgerichte, Staatsanwaltschaften und Strafgerichte. Das jüngst verabschiedete spanische Gewaltschutzgesetz zeigt die kreativen Möglichkeiten zur Bekämpfung häuslicher Gewalt im europäischen Raum. Unsere Mitarbeit in der Bund-Länder-Arbeitsgruppe "häusliche Gewalt" des BMFSFJ kann im Einzelnen aus Platzgründen hier nicht referiert werden. Unsere Arbeit zum Thema Fortbildung in diesem Zusammenhang ist jedoch ebenso wie die bisher zwei Länderumfragen zur Umsetzung des Gewaltschutzgesetzes in der Praxis auf der Website nachzulesen. Die Implementation des Paradigmenwechsels in der (Rechts-)Praxis ist noch nicht abgeschlossen. Information, Fortbildung und Reformen zur Optimierung des Schutzes von Frauen und Kindern bleiben unsere Aufgaben.
Dagmar Freudenberg ist Staatsanwältin in Göttingen und Vorsitzende der djb-Kommission Gewalt gegen Frauen und Kinder.
