A global perspective on family violence
18. April 2007 in Böblingen
von Susanne Köhler
Gewalthandlungen gegen Frauen und Kinder, die unstreitig als Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit zu klassifizieren sind, sind ein wesentlicher Bestandteil häuslicher Gewalt. Dies ist nicht nur in Deutschland so, sondern wird europaweit und auch in verschiedenen außereuropäischen Staaten diskutiert. Ein sehr interessanter Diskussions- und Erfahrungsaustausch fand im Juni zu dieser Thematik in einem Bereich statt, der zumeist diesen Fragestellungen eher schweigsam gegenübersteht.
Unter dem Titel „A global perspective on family violence” fand im Rahmen eines amerikanischen Familienförderprogramms eine eintägige deutsch-amerikanische Konferenz in den Patch Barracks, Böblingen statt. Vor amerikanischen und englischen Offizieren sowie geladenen Gästen aus Stuttgart und Böblingen wurden in englischer Sprache insgesamt drei Vorträge gehalten, die jeweils anschließend diskutiert werden konnten. Zwei der Referentinnen sind Mitglieder der Kommission des djb „Gewalt gegen Frauen und Kinder”.
Zum Thema „Intimate partner violence and the German response”, stellte Frau Rechtsanwältin Köhler nach kurzem geschichtlichen Abriss unter Einbeziehung internationaler Vernetzungen und Abkommen heraus, dass Partnergewalt ein internationales Problem ist, welches sich in Amerika und in Deutschland nicht gravierend unterscheidet. In Amerika war der Fokus allerdings schon viel früher auf dieses Problem gerichtet, so dass auch schon umfassender über das Thema Partnergewalt geforscht und auch eine deutlich höhere Sensibilisierung in der Politik und Bevölkerung erreicht werden konnte. Für die Situation in Deutschland ist allerdings überraschend und positiv festzustellen, dass family violence in den USA auch in den Kreisen des Militärs thematisiert wird. Dies ist soweit ersichtlich in Deutschland noch nicht der Fall, muss jedoch als Arbeitsfeld gegen häusliche Gewalt aktiviert werden.
Im zweiten Themenkomplex der Konferenz machte Dr. Susanne Nothhafft vom Deutschen Jugendinstitut e.V. unter der Überschrift „Lost in www, children at risk” deutlich, dass Kinder nicht ohne Unterstützung durch Eltern, Schule etc. anonyme Kontakte über Chatrooms pflegen sollten. In erschreckender Form werden dort die Neugier, aber auch die Naivität und Gutgläubigkeit von Kindern und Jugendlichen ausgenutzt. Die psychischen Folgen von derartig initiierten sexuellen Übergriffen, die oft als solche zunächst nicht erkannt werden und über die sich betroffene Kinder auch meist ausschweigen, sind immens.
Nach der zum Informationsaustausch zwischen den Referentinnen und dem sehr interessierten Publikum genutzten Mittagspause sprach Frau Maria Crane, M.D., Psychiaterin und Leiterin der Abteilung Verhaltensgesundheit der amerikanischen Sanitätsstation Wiesbaden, sehr offen über das Thema „Sexuell assault in the military, myths and facts”. Sie legte unter Heranziehung von amerikanischen Forschungsdaten insbesondere dar, dass die Zahl der Opfer sexueller häuslicher bzw. Partnergewalt auch in Amerika erschreckend hoch ist. Im Hinblick auf sexuelle Gewalt beim Militär wurde deutlich, dass statistisch gesehen die meisten Übergriffe während des ersten Dienstjahres erfolgen, die Opfer die Täter kennen und bei vielen Übergriffen Alkohol ein Faktor war.
Soweit die Übergriffe im militärischen Bereich oder in diesem Zusammenhang mit nachgezogenen Familienangehörigen stattfinden, wird das Thema auch für die Bundeswehr aufgegriffen werden müssen.
