Rezension
Baer, Susanne/ Hildebrandt, Karin (Hrsg.):
Gender Works! gender Mainstreaming:
Gute Beispiele aus der Facharbeit,
Peter Lang, Frankfurt a.M. u.a., 2007, 200 S., 34,- €
Publiziert werden die Ergebnisse der gleichnamigen Fachtagung des Berliner GenderKompetenzZentrums vom November 2005. Dabei erscheint der Untertitel ein wenig zu eng gewählt: Gender Mainstreaming (GM) als gleichstellungspolitische Strategie kann zwei Aspekte betreffen, die Organisationsebene oder die Arbeit der Organisation, also die Produkt- und Facharbeitsebene. Die im Buch dargestellten Beispiele betreffen jedoch nicht nur die Facharbeit, sondern schildern teilweise auch Strukturveränderungen in der Organisation selbst. Deutlich wird dabei, dass in vielen Beispielen organisatorische Veränderungen und Änderungen des Outputs der Organisation eng zusammenhängen.
Den Praxisbeispielen vorangestellt sind zwei allgemeine Einführungen in den Problem- und Entwicklungsstand von GM. Mike Verloo bilanziert den internationalen Entwicklungsstand: Man sei noch weit entfernt von einer erfolgreichen Implementation. In welchem Umfang GM tatsächlich international erfolge, sei unklar. Petra Ahrens und Sandra Lewalter folgen mit einer Definition von und Qualitätskriterien für GM und liefern damit einen guten Überblick über den aktuellen Diskussionsstand.
Vorgestellt werden danach einzelne GM-Projekte aus den Bereichen Jugendarbeit und Bildung, Krankenhausorganisation, Arbeitsvermittlung, Sportförderung, Verbandsarbeit und Gesundheitsberichterstattung. Dabei zeigt sich sehr anschaulich, dass es nicht die typische Umsetzung von GM gibt, sondern jede Organisation für ihre spezifischen Aufgabenstellungen und Probleme eigene Vorgehensweisen und Lösungen finden muss. Deutlich wird allerdings in allen Beispielen: Es bedarf immer einer differenzierten Datenbasis. Davon ausgehend müssen konkrete Ziele entwickelt werden, die über das Postulat, man betrachte alles künftig nach Geschlechtern differenziert, hinausgehen und auf eine bessere Gleichstellung der Geschlechter hin orientiert sein müssen. Die AkteurInnen müssen für Genderfragen erst sensibilisiert werden, selbst wenn die Organisation schon länger Gleichstellungspolitik propagiert hat. Es bedarf neben der Unterstützung durch die oberste Führungsebene in der Regel spezieller Gender-PromoterInnen durch Arbeitsgruppen, Genderverantwortliche oder externe BeraterInnen. Und GM erfordert auch zusätzliche Mittel, zumindest in der Implementationsphase. Nach erfolgreicher Einführung verbessert GM jedoch nicht nur die Lage von Frauen und Männern auf Seiten der Beschäftigten oder KundInnen u.ä., sondern bringt auch der Organisation selbst erkennbare oft unerwartete Vorteile. (Sibylle Raasch)
