Mit Macht zur Wahl - 100 Jahre Frauenwahlrecht in Europa

Ausstellung im Bonner Frauenmuseum bis zum 15. April 2007

Unter diesem Titel kann im Frauenmuseum in Bonn bis zum 15. April 2007 eine Ausstellung über die Kämpfe für das Frauenwahlrecht in den vergangenen 100 Jahren besucht werden. Die Ausstellung besteht aus einem historischen und einem künstlerischen Teil. Begleitend werden vielfältige Veranstaltungen zum Thema angeboten.

Ziel ist es, insbesondere junge Frauen zu motivieren, ihr Recht auf politische Beteiligung zu nutzen. Der historische Teil gibt einen Überblick über den Kampf von Frauenrechtlerinnen aus 22 europäischen Ländern, von Island bis Griechenland. Dabei wird einerseits die Entwicklung in Deutschland, andererseits die in Europa aufgezeigt. Es wird dargestellt, weshalb die skandinavischen Staaten zu Vorreitern in Europa wurden, und warum die Schweiz und Liechtenstein die Schlusslichter bildeten. Es werden auch aktuelle Fragestellungen aufgegriffen: wie groß der Anteil von Frauen heute an den Regierungen ist und unter welchen Bedingungen sie an die Macht kommen. An dem künstlerischen Teil haben sich Künstlerinnen aus vielen europäischen Ländern beteiligt. Sie beziehen in den ausgestellten Werken die heutige Zeit samt Politikerinnen ein, und sie wagen ungewöhnliche Blicke auf die Vergangenheit und Gegenwart.
Unterstützt wird das Projekt u.a. vom Deutschen Juristinnenbund.

http://www.frauenmuseum.de/

_________________________________________________

Zum Geleit

von Prof. Dr. Jutta Limbach, München, Schirmherrin der Ausstellung

Diese Ausstellung „Mit Macht zur Wahl - Hundert Jahre Frauenwahlrecht in Europa" setzt die Tradition des Frauenmuseums fort, zeitgenössische Kunst und Wissenschaft, genauer zeitgenössische Kunst und Geschichte interdisziplinär zu verknüpfen. Wie schon bei früheren Ausstellungen - „Die Bonnerinnen, Szenarien aus Geschichte und zeitgenössischer Kunst" (1990), „Stadt der Frauen, Szenarien aus der spätmittelalterlichen Geschichte und zeitgenössischer Kunst" (1994), „Politeia, Szenarien aus der Deutschen Geschichte nach 1945 aus Frauensicht (1998) - ist es erneut gelungen, eine Präsentation unter fachübergreifenden Gesichtspunkten zu erarbeiten. Eine zusätzliche Herausforderung dieser Ausstellung bot die umfassende Dimension des Themas selbst: Hier wird erstmalig der Versuch unternommen, die Geschichte des Frauenwahlrechts im europäischen Vergleich darzustellen. Ausgehend von der Gleichheitsproklamation der Französischen Revolution, die Marie Olympe de Gouges in ihrer Zeit vergebens auch für die Frauen einforderte, wird mit historischen und künstlerischen Mitteln gezeigt, wie dieses Begehren zum Motor für eine europaweite politische Freiheitsbewegung der Frauen wurde.

Das unterschiedliche Tempo bei der Einführung des Frauenwahlrechts wurde bestimmt durch mehrere Faktoren: Vornean spielte der mental geprägte und politisch orientierte Widerstand der männlichen Gegenspieler in den einzelnen Ländern eine Rolle. Davon war der Grad der Akzeptanz eines sich wandelnden Frauenbildes geprägt, letztlich unter Aufgabe des „Ewig Weiblichen" als unveränderlicher Größe. Viele Frauen teilten zunächst die ablehnende Haltung der männlichen Mehrheit gegenüber dem Frauenwahlrecht. Die Ausstellung macht aber deutlich, wie Frauen aufgrund der Erfahrung persönlicher Unterdrückung, durch die Bewusstwerdung von Rechtlosigkeit in den Bereichen Familie, Bildung und Arbeit „mit Macht" die Stufen zur politischen Befreiung erklommen, die schließlich zum Gipfel, dem Wahlrecht für alle Frauen führten. Es waren einzelne Pionierinnen, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bahnbrechend und vorbildhaft das Frauenstimmrecht forderten, wie z.B. Louise Otto-Peters für Deutschland. Ihnen ist ein großer Teil dieser Ausstellung gewidmet.

Mit dem Aufkommen der proletarischen Frauenbewegung wurde der solidarische Vorstoß zur Erlangung des Frauenwahlrechts möglich und der Kampf auf eine breitere Basis gestellt.

Doch gleichzeitig wurde dieses Interesse mit dem politischen Engagement der Männer in den Parteien abgestimmt, soweit sie sich für das Frauenwahlrecht einsetzten.

Die Antwort auf die Frage, was das Wahlrecht den Frauen gebracht hat, muss einem nachfolgenden Ausstellungsprojekt vorbehalten bleiben. Es wird aber deutlich, dass in den hier aufgeführten Ländern viele Gesetze zugunsten der Frauen verabschiedet worden sind, die von ihrer politischen Wirksamkeit in eigener Sache zeugen. Doch es bleibt noch viel zu tun.

Ebenso wichtig erscheint es mir, dass Frauen der Gegenwart mit Hilfe des aktiven und passiven Wahlrechts in allen Bereichen eines demokratischen Gemeinwesens gleichberechtigte Entscheidungsträgerinnen geworden sind und diese Möglichkeit nach Kräften nutzen sollten.

Deutschland besitzt seit dem 22. November 2005 erstmalig eine Kanzlerin, die mit 379 Stimmen der Koalition aus CDU/CSU und SPD vom Bundestag gewählt wurde. Allerdings ist der Frauenanteil der weiblichen Abgeordneten von 32,78 Prozent in der 15. Wahlperiode auf 30,34 Prozent in der 16. Wahlperiode (2005-2009) leicht rückläufig.

Der Blick in die Vergangenheit möge dazu ermutigen, die politischen Chancen der Gegenwart zu nutzen, um die Zukunft der Frauen zu sichern. Dazu will diese Ausstellung „Mit Macht zur Wahl" einen Beitrag leisten. Ich wünsche ihr viel Erfolg!

aus: aktuelle informationen 2007, Heft 1, S. 35.

Mitgliederbereich
Noch nicht registriert?
Passwort vergessen?