Frauen in Bewegung
Fünf Jahre „Juristinnen Schweiz"
Feier am 9. September 2006 in Bern*
von Ingrid Weber
Das waren sie wirklich, in Bewegung, die Mitglieder und Gäste der Schweizer Juristinnen* bei ihrer Geburtstagsfeier am 9. September 2006 im Zentrum Paul Klee in Bern. Mit Charme, Witz und ansteckender Fröhlichkeit - schöner kann man nicht feiern im Museumsbau von Renzo Piano, dessen schwungvolle Konstruktion in die hügelige Landschaft eingebettet ist.
Als Festrednerin zeichnete die Schweizer Außenministerin, Bundesrätin Micheline Calmy-Rey, die gleichstellungspolitische Entwicklung in ihrem Land nach: 1923 wurde die erste Schweizerin vom Bundesgericht als Anwältin zugelassen, seit 35 Jahren gibt es auf eidgenössischer Ebene das Stimmrecht für Frauen, seit 25 Jahren einen Gleichberechtigungsartikel in der Verfassung und seit zehn Jahren ein Gleichstellungsgesetz. Für die Bundesrätin ist Chancengleichheit ein wichtiges Thema. Sie hat in ihrem Ministerium die paritätische Auswahl bei Bewerbungen für den diplomatischen Dienst gegen massiven Widerstand durchgesetzt und eine Gesprächsrunde der europäischen Außenministerinnen initiiert.
Die ehemalige Bundesrichterin Dr. Margrith Bigler-Eggenberger warnte vor einem Stillstand, der in der Frauenpolitik stets Rückschritt bedeutet. Sie wünscht sich, dass der Einsatz der Großmütter und Mütter von den jungen Frauen als Verpflichtung betrachtet wird, mit dicker Haut und Ausdauer mutig weiter zu machen und das bisher Erreichte nicht als selbstverständlich zu betrachten.
Die Präsidentin des Verbandes Prof. Dr. Regula Kägi-Diener plädierte für ein geschlechtersensibles Recht, das keine Frauenghettos schafft, sondern die Gemeinsamkeit der Geschlechter im Blick hat. Frauen müssen sich für die Macht entscheiden, um ein solches Recht zu schaffen; sie müssen sich in allen Lebensbereichen für Gerechtigkeit einsetzen und dürfen nicht auf Ansprüche verzichten. Als Ziele des Verbandes für die nächsten fünf Jahre nannte sie u.a. Netzwerke pflegen, Gleichstellung thematisieren (Buch, Vademecum, Crash-Kurse) und den Glasdeckel öffnen (alternative Anwaltskanzleien, Lobbying für Juristinnen).
Unser Mitglied Dr. h.c.Renate Jaeger lud die Schweizerinnen spontan zu einem Besuch ihres Gerichtshofs in Straßburg ein, um dort eine Umbenennung vorzuschlagen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte heißt auf französisch Cour européenne des Droits de l'Homme. L'homme hat eine zweifache Bedeutung: Mensch und Mann, letztere steht allzu oft im Vordergrund. Deshalb ist es an der Zeit, den Gerichtshof unter Einbeziehung der Frauen geschlechtsneutral in Cour européenne des Droits humains umzutaufen.
Ehe es ans Feiern mit Museumsbesichtigung, Vorführung von Akrobatinnen und einem Dinner in vergnügter und herzlicher Atmosphäre ging, stellte eine junge Grafikerin das neue Logo des Verbands vor. „Juristinnen Schweiz" operiert in fünf Sprachen, neben den vier Landessprachen auch in englisch, und hat deshalb fünf Verbandsnamen, die eine gemeinsame Abkürzung im Logo nicht zulassen. Die intelligente und optisch sehr ansprechende Lösung: ein roter Kreis mit stilisierten geöffneten Frauenmündern, daneben die fünf Verbandsnamen. Das Stilelement des Frauenmundes kann grafisch für Flyer und Plakate immer wieder anders angeordnet und zu Linien und Figuren zusammengestellt werden. Mit dem herzlichen Dank für die Einladung zu diesem gelungenen Fest verbinde ich den Wunsch, „Juristinnen Schweiz" möge auch in den nächsten Jahren lauthals und erfolgreich für die Gleichstellung der Geschlechter eintreten.
Anmerkung
I
