60 Jahre djb - ein Grund zum Feiern
60 Jahre djb
Jubiläumsfeier
am 19. und 20. September 2008 in Berlin
- Programm
- Pressemitteilung zur Jubiläumsfeier
am 19.9.2008 im Deutschen Bundestag
Am 28. August 1948 gründeten sieben mutige, tatkräftige Juristinnen in Dortmund die "Vereinigung weiblicher Juristen und Volkswirte e.V.". Die Vereinigung verstand sich als Nachfolgeorganisation des 1914 gegründeten "Deutschen Juristinnenvereins", der nach der Machtergreifung Hitlers seine Arbeit hatte einstellen müssen, und verfolgte wie dieser "die berufliche und wissenschaftliche Förderung der Mitglieder sowie die Wahrnehmung ihrer Interessen im öffentlichen Leben".
Die verstreut lebenden Juristinnen mussten aufgespürt, ihre Kontakte untereinander gefördert und sie mussten zur Wahrnehmung ihrer Interessen angespornt werden. Die Vereinigung, die schnell wuchs, war in der Lage, beim Neuaufbau von Justiz und Verwaltung mitzuhelfen und auf die Besetzung wichtiger Positionen mit Frauen hinzuwirken, vor allem aber auch ihr Mitglied Elisabeth Selbert (Mitglied des Parlamentarischen Rates) beim erfolgreichen Kampf um die Aufnahme des Gleichberechtigungsgrundsatzes in das Grundgesetz zu unterstützen.
1959 wurde aus der Vereinigung der "Juristinnenbund (Vereinigung der Juristinnen, Volkswirtinnen und Betriebswirtinnen) e.V." mit bereits 500 Mitgliedern. Schwerpunkt der Arbeit in diesen Jahren war der Kampf um die Umsetzung des verfassungsrechtlichen Gleichberechtigungsgrundsatzes und die Anpassung zahlreicher gesetzlicher Vorschriften an den Gleichberechtigungsgrundsatz. Die Abschaffung des Stichentscheids des Vaters, die hälftige Teilung des Zugewinns bei Auflösung der Ehe, der Wegfall der Zölibatsklausel im Beamtenrecht, die Ermöglichung von Teilzeitarbeit für Beamtinnen und Richterinnen mit Familienpflichten und die schrittweise Verbesserung der Situation unverheirateter Mütter waren Ergebnis und Erfolg der unermüdlichen Arbeit des Juristinnenbundes jener Jahre.
Mit dem Zuwachs an Mitgliedern aus allen juristischen Berufen erweiterte sich zunehmend auch das Spektrum der Themen, deren sich der "Deutsche Juristinnenbund", wie er seit 1979 heißt, annahm. Neben den zahllosen Reformvorschlägen und Gesetzesinitiativen zum Familienrecht traten Bemühungen um die eigenständige soziale Sicherung der Frau mit einem eigenen Rentenmodell, steuerrechtliche Initiativen zur Abschaffung des Ehegattensplittings und zur Abzugsfähigkeit von Kosten der Kinderbetreuung für Berufstätige. Es ging und geht um den Abbau der Benachteiligung von Frauen in den sozialen Sicherungssystemen und deren Neugestaltung. Im Strafrecht galt es, die Straffreiheit des Schwangerschaftsabbruchs durchzusetzen und zu erhalten; sexuelle Gewaltdelikte, Nötigung, Vergewaltigung in der Ehe und häusliche Gewalt waren und sind hier die Themen. Betreuungsrecht, ein Gesetzentwurf zum ärztlichen Behandlungsvertrag, Formulare für Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht wurden erarbeitet. Probleme der Reproduktionsmedizin und Gentechnologie, geschlechtergerechte Gesundheitspolitik und zuletzt immer mehr die Rechte von Migrantinnen und die Durchsetzbarkeit von Reformen im europäischen Rahmen beschäftigen den djb.
Gleichberechtigung ist längst nicht Chancengleichheit. Wieder war es der djb, der nach der Wiedervereinigung dafür sorgte, dass 1994 Art. 3 Abs. 2 GG um das Förderungsgebot an den Staat erweitert wurde. Es gibt viel und immer Neues zu tun und auch das Erreichte muss gesichert werden. Der djb mit seinen ca. 2.600 Mitgliedern, der Geschäftsstelle in Berlin mit hauptamtlichen Mitarbeiterinnen, mit der djbZ als moderner Verbandszeitschrift, einer umfangreichen Homepage, mehreren größeren Projekten wie dem Marie Elisabeth Lüders-Wissenschaftspreis, seinen fünf ständigen und weiteren nicht ständigen Kommissionen ist dafür gut gerüstet und außerordentlich produktiv. Das Motto "Viel erreicht - noch viel zu tun" der 50-Jahr-Feier 1998 in Dortmund ist nach wie vor aktuell.
Lassen Sie uns all dies gemeinsam feiern: Die Erfolge unserer Arbeit, die Freude an gemeinsamer Aktion, am Austausch, am Netzwerken. Ich freue mich auf Sie in Berlin am 19. Spetember 2008!
Jutta Wagner
Präsidentin
